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Erfolgreicher Spendenlauf

veröffentlicht um 03.08.2011, 02:57 von Andy Brittain
Über ein Jahr haben wir (Andreas Brittain von der Tomorrow Focus Technologies und Rabea Schwarz, Diplom-Sozialpädagogin) unseren Spendenlauf durch Deutschland vorbereitet. Unzählige Anschreiben an Sponsoren, Städte, Schulen und Lauftreffs lagen hinter uns. Rund 1.500 Trainingskilometer seit Januar (trotz Muskelfaserriss) sollten ausreichen, um die 1.200 Kilometer in 24 Tagen joggend durch Deutschland zu bewältigen.

Wir möchten auf die unvorstellbar schlimmen Lebensbedingungen der „Müllkinder“ in Madagaskar aufmerksam machen und unterstützen deshalb mit dieser außergewöhnlichen Aktion Pater Pedro und sein Lebenswerk, der diesen Kindern eine neue Zukunft schenkt, ihren Eltern eine Arbeit verschafft und ihnen dadurch die Würde zurückgibt. Diese Kinder sind vom Leben schwer gezeichnet, haben auch in den letzten Wochen wieder Geschwister oder Eltern durch die Pest verloren.

Die Planung der Strecke erfolgte am Laptop und es war eine große Herausforderung den kürzesten und besten Weg von Flensburg nach Sonthofen im Allgäu zu finden. Am 15. Juni ging es los mit einem geliehenen Wohnmobil, von Rabeas Vater gesteuert. Verabschiedet wurden wir am 16. Juni in Flensburg von der lokalen Zeitung und der Vorstandsvorsitzenden des Vereins „Madagaskar und Wir“, Bärbel Lange. Von diesem Tag an sollten wir durchschnittlich 46 Kilometer am Tag laufen, wobei die kürzeste Etappe 21 und die Längste 62 Kilometer war.
Auch bei Regen hieß es laufen, laufen, laufen

Start war in der Regel um 8 Uhr, die Ankunft war je nach Wetter und Höhenmeter auf 15 bis16 Uhr angesetzt. Es stellte sich raus, dass für uns die beste Laufeinteilung
war, zunächst 20 bis 25 Kilometer zu laufen, dann eine ordentliche Pause zu machen und die weiteren Kilometer in zwei kleine Etappen aufzuteilen. Durch unsere Vorarbeit hatten wir im Vorfeld schon einige Termine und Treffen in den Etappenorten festgelegt. So begleitete uns der ein oder andere Läufer, wir waren bei einer Gräfin zum Frühstück eingeladen, wurden oft herzlich von den Bürgermeistern empfangen, konnten unser Projekt vorstellen und so Spenden sammeln.

Die Routenplanung – bis Kilometer 300 fast perfekt – zeigt erste Schwächen als wir vor einem Zaun im Wald standen. Die Route zeigte direkt über den Zaun. Auf der anderen Seite war nur ein kleines Problem: Büffel, eingezäunt Mitten im Wald. Auch mit anderen Tieren hatten wir uns unterwegs auseinanderzusetzen: von riesigen Hunden angefangen bis hin zu superkleinen Zecken.

Rabea machten inzwischen ihre Achillessehen schwer zu schaffen und wir versuchten mit allen Mitteln, die Auswirkungen einer Entzündung zu reduzieren. So wurde die erste Tätigkeit nach Ankunft in den jeweiligen Etappenorten, die Pflege unserer Problemstellen: Sehnen und Muskeln einreiben und verbinden.
Oft heiß ersehnt: Die Ortschilder der Etappenziele

Nach der zwölften Etappe und rund 550 Kilometern hatte ich bereits vier Kilogramm abgenommen. Versteckte und alte Wege machten uns das Routenfinden oft schwer. Über die Kasseler Berge und die Rhön bekamen wir auch langsam unsere Höhenmeter zusammen. Aber der stechende Schmerz in Rabeas Schienbein begleitete uns auch auf die 18. Etappe. Unsere Vermutung lag nahe „Ermüdungsbruch“. Nach langem Überreden konnte ich sie bewegen, in Wiesenbach erst mal das Laufen einzustellen. „Das war der härteste Moment des ganzen Laufes“, hörte ich sie wiederholt sagen.

Insgesamt waren dann die folgenden 25 Kilometer die einzigen, die ich ohne Begleitung zurücklegen musste. Freunde und Bekannte gesellten sich dazu - und so vergingen die Kilometer. Als endlich die Allgäuer Berge in Sicht kamen, nach 1.050 Kilometern und 23 Tagen konnte man eine gewisse Ergriffenheit nicht unterdrücken. Es schlich sich der Gedanke ein, man könnte es bis Sonthofen schaffen. Gegen vieler (auch professioneller Sportler) Meinung: KANN MAN ES SCHAFFEN!

Um 15:30 Uhr wurden wir, wiederum nach 47 Kilometern, in Sonthofen erwartet. Rabea hielt es nicht aus und wollte unbedingt die letzten 13 Kilometer mitlaufen. Ein klasse Empfang erwartete uns auf dem Sonthofer Stadtfest: Viele Freunde, Bekannte und interessierte Menschen warteten dort. Am Ende waren es 1.105 Kilometer, 9.500 Höhenmeter und 24 Tage. Es gab schöne Etappen, aber auch durch Wetter, Ermüdung und Verletzung ganz schön schwierige Zeiten durch großteils Wälder und ursprüngliches Gelände. Insgesamt dürfen wir uns bei allen Spendern und Beteiligten im Namen der Kinder Pater Pedros für rund 11.000 Euro bedanken.

Unser nächstes Ziel im September ist der Trans-Alpine Run – 250 Kilometer und 15.000 Höhenmeter in acht Tagen – auch dieser Lauf soll auf die schlimme Situation der Müllkinder in Madagaskar aufmerksam machen.
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